Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden richtet das Projekt des Kreises den Blick auf Orte, an denen Demokratie im Taunus historisch gewachsen ist, gelebt wurde und bis heute aktiv gestaltet wird. Ziel ist es, die Bedeutung dieser Orte sichtbarer zu machen. Im Fokus stehen unter anderem die Rathäuser im Hochtaunuskreis. Auf den ersten Blick erscheinen sie vor allem als Verwaltungsorte, als Anlaufstellen für Meldeangelegenheiten, Eheschließungen oder andere kommunale Dienstleistungen. Tatsächlich sind sie jedoch zentrale Orte demokratischer Entscheidungsprozesse: Hier beraten und beschließen gewählte Vertreterinnen und Vertreter in öffentlichen Sitzungen über Haushalte, Stadtentwicklung oder Infrastruktur. Rathäuser – ebenso wie das Landratsamt – sind damit Orte, an denen Demokratie umgesetzt wird.
Einige dieser Gebäude blicken auf eine lange Geschichte zurück. So wurde etwa das Rathaus in Usingen, bereits 1687 errichtet als Ausdruck eines wachsenden bürgerlichen Selbstbewusstseins und dient bis heute als Sitz der Stadtverwaltung. Andere Rathäuser spiegeln die Entwicklungen der jüngeren Zeit wider, etwa im Zuge der Gebietsreformen der 1970er Jahre. In Friedrichsdorf wurde das ursprünglich als Mischgebäude konzipierte Rathaus nach der Fusion von vier bis dato selbstständigen Kommunen im Jahr 1972 zum zentralen Verwaltungssitz der neuen Stadt.
Außer den Rathäusern umfasst das Projekt auch historische Versammlungsorte, Stätten politischer Entscheidungen sowie Plätze bürgerschaftlichen Engagements. Der Große Feldberg steht sinnbildlich für den Aufbruch in eine neue politische Zeit: Während des Vormärz und im Zuge der Revolution von 1848 wurde er zu einem wichtigen Symbol für Freiheit und Einheit. So entfachte man hier zum einen 1814 ein großes Freudenfeuer unter der Führung Ernst Moritz Arndts anlässlich des Jahrestages der Leipziger Völkerschlacht. Zum anderen wird hier seit 1844 das älteste Bergturnfest im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Die Turnbewegung verfolgte in erster Linie politische Ziele: die Befreiung von der französischen Besatzung, die Überwindung der feudalen Ordnung und die Gründung eines deutschen Nationalstaats.
Doch auch weniger bekannte Orte erzählen die Demokratiegeschichte der Region. Das „Gasthaus zum Feldberg“ in Kronberg war im frühen 20. Jahrhundert ein Treffpunkt von Sozialdemokraten und bot während der Zeit des Nationalsozialismus Raum für Austausch und Widerstand – ein Beispiel für gelebten Mut und demokratische Überzeugung. Der Wirt Friedrich Mösinger etwa wurde aufgrund dieser Aktivitäten verhaftet. Ein weiterer Ort ist mit der Idee der Jugendherberge verbunden: In Grävenwiesbach entwickelte Richard Schirrmann sein Konzept des gemeinschaftlichen Lernens und Zusammenlebens weiter. Aus seiner Vision entstand das Deutsche Jugendherbergswerk, das bis heute Werte wie Mitbestimmung, soziale Verantwortung und internationale Verständigung vermittelt.
„Die insgesamt 27 ausgewählten Orte der Demokratie stehen symbolisch für die vielen, vielen Örtlichkeiten, an denen im Taunus in den vergangenen Jahrhunderten Demokratie erstritten, gelebt und verteidigt wurde“, so Landrat Ulrich Krebs. „Sie sollen uns daran erinnern, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern von uns allen jeden Tag gelebt werden muss, damit unsere Gesellschaft weiter in Freiheit leben kann. Sie ist keine Sache, der anderen‘ oder ‚der da oben‘. Sie ist das Recht und auch die Pflicht eines jeden einzelnen Bürgers.“
Die 27 „Orte der Demokratie“ im Hochtaunuskreis sind durch künstlerisch gestaltete Stelen im öffentlichen Raum gekennzeichnet. Ergänzt werden diese durch Informationstexte und QR-Codes, die zu weiterführenden digitalen Inhalten führen. Bisher stehen die Stelen bereits in Bad Homburg, Glashütten, Königstein, Kronberg, Neu-Anspach, Schmitten, Steinbach, Usingen, Weilrod und Wehrheim. Die übrigen werden kommende Woche aufgestellt.
Das Projekt lädt Bürgerinnen und Bürger ein, den Hochtaunuskreis im Jahr der Weltdesignhauptstadt neu zu entdecken – als lebendigen Raum demokratischer Geschichte und Gegenwart. Die dazugehörige Website finden Sie unter: https://www.taunusdemokratie.de/.
Text: Pressemitteilung Hochtaunuskreis vom 29.05.2026
Bild: Gemeinde Weilrod
