Hessens zweitältestes Pfarrhaus PDF Drucken E-Mail

09.

Dez

2008

Wenn nicht das älteste, so ist es doch eines der ältesten in deutschen Landen: das Pfarrhaus in Rod an der Weil. Feststellen lässt sich das nicht genau. Schriftliche Zeitzeugen über die Fertigstellung fehlen. Doch es gibt Hinweise. Wie etwa die Balkeninschrift, die besagt, dass Pfarrer Johannes Hell im Jahre 1522 das schöne zweistöckige Fachwerkobergeschoss des Pfarrhauses auf die beiden massiven Untergeschosse bauen ließ.

rod_pfarrhaus.jpgDas war die Zeit der Reformation von Martin Luther. Zu Verwirrungen kam es, weil diese Inschrift vor einigen Jahrzehnten fälschlicherweise als 1122 entziffert wurde. Allerdings - nicht nur dendrochronologische Untersuchungen des Balkens sprechen eine eindeutige Sprache. Auch der festungsartige Baustil spricht eher für das 13. Jahrhundert als Entstehungszeit. Möglich ist auch die These, dass die Anlage erbaut wurde als Antwort auf den Bau der Altweilnauer Burg und des „festen Hauses“, also einer Burganlage, in Emmershausen, von der heute nur noch eine Kapelle übriggeblieben ist.
So steht das alte Pfarrhaus in direkter Nachbarschaft zur evangelischen Kirche, hoch über dem Tal gelegen, mit einem wehrhaften, vermutlich gotischen Westturm. Die hat im Laufe der Jahrhunderte einiges miterlebt, vom Überfall der Schweden am Palmsonntag des Jahres 1633 über einen „dachlosen und baufälligen“ bis hin zum priesterlosen Zustand. Und bei allen Problemen gab es immer eine grundlegende Schwierigkeit: Die Kirche war für all die Menschen des Kirchspiels zu klein. Bis man endlich ein Einsehen hatte und 1890 das alte Kirchenschiff abgerissen wurde. Allerdings gingen bis zur Einweihung des Neubaus drei Jahre ins Land. Dafür jedoch hat die Kirche eine romanische Ausstattung, mit einer Orgel, die 1892/93 von Gustav Raßmann erbaut wurde.

Der alten Pfarrscheune hat man sich jedoch erst in diesem Jahrtausend angenommen. 1707 erbaut wurde sie 2004 grundsaniert und erweitert. Heute dient sie in ihrer Funktion der Kirchengemeinschaft.


Quelle: Rudi und Martha Kaethner