Immer wieder totgesagt – und doch war es nicht kleinzukriegen: Das Gemündener Backhaus, das allerdings seine Karriere nicht als solches, sondern als Kapelle begann. Genau lässt sich das Datum seiner Erbauung zwar nicht bestimmen. Aber es gibt Hinweise, die eine Entstehung im 14. Jahrhundert sehr wahrscheinlich werden lassen.
Das legt besonders seine Bauform nahe, denn es besitzt einen spätgotischen Drei-Achtel-Chroschluß. Der erste schriftliche Hinweis auf das kirchliche Gebäude stammt aus dem Jahr 1580.
Dennoch ist es nirgendwo überliefert, dass dort regelmäßig Gottesdienste abgehalten wurden. Ende des 17. Jahrhunderts war die Kapelle allerdings so baufällig, dass die Gemündener zum Kirchgang nach Rod an der Weil gehen mussten. Aus einer Inschrift im späteren Backhausgiebel geht hervor, dass die Kapelle, die gemauert war und ursprünglich ein Schieferdach besaß, 1733 auf jeden Fall repariert wurde. Doch schon 1778 verraten schriftliche Aufzeichnungen, dass das Kirchengebäude dem Einsturz nahe war: Das Dachwerk sei gänzlich vermodert, an einigen Stellen eingebrochen, Regen fließe in die Kapelle. Der obere Boden des Chores sei verfault, schrieb der Merzhausener Pfarrer Otto. Ein Neubau wurde in Erwägung gezogen, doch letztlich entschieden sich die Gemündener für eine Grundsanierung - die 1783 durchgeführt wurde, wie die Jahreszahl des Dachhahnes ausweist. Doch für das wachsende Dorf war die Kapelle längst zu klein geworden. Und mit Rod an der Weil, wo die Gemündener den Gottesdienst besuchten, gab es ständig Streitigkeiten. Schließlich bescheinigte auch noch das Brandkataster in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Kapelle einen erneuten baufälligen Zustand. Da war für die Gemündener klar: eine neue, größere Kirche musste her. Und die wurde tatsächlich gebaut und am 26. April 1840 eingeweiht.
Die Kapelle allerdings war zu diesem Zeitpunkt fester Bestandteil von Gemünden, hatte einigen verheerenden Hochwassern erfolgreich getrotzt und war damit einer der ältesten Zeitzeugen seit Bestehen des Dorfes. Also wurde sie später zum Backhaus, 1949 zusätzlich zum Rathaus umfunktioniert. Bis Anfang der 70er Jahre die Gemündener Landfrauen dort ein interessantes Heimatmuseum entstehen ließen, mit vielen Originalexponaten aus längst vergangenen Zeiten. Das Backhaus wird jedoch auch weiterhin genutzt: Noch heute ist das dort gebackene Brot heiß begehrt. Und eine weitere bundesweit seltene Besonderheit weist das Backhaus auf: seine Wandmalereien mit alt- und neutestamentarischen Motiven.
Wer eintauchen möchte in die Vergangenheit des Taunusdorfes, der hat im Heimatmuseum genügend Gelegenheit dazu. Besuche sind nach Voranmeldung jederzeit möglich – entweder telefonisch unter 06083/1060 bei Beate Rühl, unter 06083/794 bei Ilse Weber oder per E-mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
.
Wer mehr über das Backhaus erfahren möchte: www.gemuendentaunus.de oder über Gemünden: www.gemuenden-taunus.de |